„Altes, amerikanisches Eisen“ in Form einer Harley Davidson EL 61 – ein Traum, der für mich nicht so schnell Wirklichkeit werden wird. Jeder, der schon einmal versucht hat, an originale Rahmen, Motor und Ersatzteile zu kommen, wird an einen Punkt kommen, an dem man sich fragt, ob es nicht vielleicht doch realistischer ist, sich an einem Shovelhead aus den späten 1960er zu orientieren. Denn wenn man überhaupt ein rares Teil findet, dann ist es oftmals nicht nur der Preis, sondern auch der Zweifel an der Echtheit der Teile, die einen zögern lassen. Statt sich nun mit der zweitbesten Lösung zu begnügen, verfolge ich lieber vorerst ein weiteres Vorhaben, welches ebenfalls auf meiner Wunschliste steht.
Die Münze klickert in die Musikbox, die Taste des Wunschtitels rastet ein. Während sich die Schallplatte in Position bringt, schlendert der junge Bursche Richtung Ausgang des Ace Café, bindet den typischen weißen Schal unterm Kragen der Lederjacke und setzt seinen Helm auf. Mit dem Tonarm senkt sich der Kickstarter, zwei Sekunden und Gasstöße später entert der Pilot die Nord-Tangente Londons, rast auf einem gefährlichen Rundkurs durch die nächtliche Stadt. In den 1950er Jahren verwächst das Stakkato von hämmernder Musik und aufgemöbelter Hobel zum sogenannten „Record Racing“, bei dem die schwarze Vinylscheibe die Zeitnahme ist: Bevor Gene Vincents „Race With The Devil“ oder „She’s A Bad Motorcycle“ von den Crestones verklungen ist, muß der Held wieder in der Bar sein. Mancher kommt allerdings überhaupt nicht zurück und stirbt auf regennassem Pflaster.
(„Cafe Racer“, Stephan H. Schneider)
Ein Café Racer – aus Teilen, die im Schnitt nicht jünger als 30 Jahre sein sollen und in einer Form, die dem Mythos der Ton-Up-Racer gerecht wird. Zugegeben, das setzt auch bei diesem Projekt die Messlatte recht hoch. Aber die Wahrscheinlichkeit, ein solches Projekt auch 2010 erfolgreich meistern zu können, ist realistisch. Besonders dann, wenn man erstklassiges Anschauungsmaterial hat, umfangreiche (Ersatz-)Teile zur Verfügung stehen und eine lebendige Szene („online“/ „offline“) existiert.
Da ich selbst seit einiger Zeit mit großer Begeisterung eine Yamaha SR500 (48T, „British Classic“) fahre, liegt es nahe, sich eine weitere SR anzuschaffen und diese umzubauen. Natürlich hätte es auch ein stilechter Zweizylinder in Form einer Yamaha XS 650 werden können – oder direkt eine Engländerin (BSA, Triumph, Norton & Co.). Aber der 500ccm-Einzylinder hat mich nun einmal derart überzeugt, dass ich (voerst) gar nichts anderes ausprobieren möchte.
Seit letzter Woche wartet daher ein 1979er Rahmen auf seine Wiederauferstehung in meiner Garage:

Rahmen, Yamaha SR 500 2J4 1979
Die Freizeitbeschäftigung für nasse Herbsttage und kalte Winterabende ist somit gesichert. Denn neben der Rahmenrestauration benötige ich nun noch einen Motor, den ich dann gemeinsam mit der Hilfe zweier Freunde wieder zu altem Glanz und Ruhm verhelfen möchte.